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Gertrud und Georg Mayer fanden den Weg vom beschaulichen Schwiebus in die Großstadt Berlin.
Am 5.12.1919 wurde der Mietvertrag für das Eisenwaren- und Hausratgeschäft in Mariendorf, Chausseestraße 285 (heute Mariendorfer Damm 91) mit Hauseigentümer August Haak unterschrieben.
Die feierliche Eröffnung fand in rascher Folge am 1.4.1920 statt.
  
Nach dem 2. Weltkrieg kam die 1914 geborene Tochter ins Geschäft ihrer Eltern zurück verkaufte dort nun in Ladengemeinschaft Porzellan und Geschenkartikel.
Eberhard Hilliges begann im Alter von 15 Jahren seine kaufmännische Lehre als Verkäufer für Eisenwaren und Hausrat. Zwar war dies nicht sein Berufswunsch, da aber Lehrstellen knapp waren und er als Ältester von 5 Geschwistern die Verantwortung hatte, musste schnell das dringend benötigte Geld verdient werden.
Der erste Kontakt zum Unternehmen Mayer wurde somit nicht zuletzt durch die bestimmende Aussage der Mutter „… deine Großeltern haben da auch schon gekauft …“ durch die Unterschrift unter den Ausbildungsvertrag hergestellt.
Bald schon merkte er aber, dass Porzellan und Geschenke wesentlich interessanter waren als Schrauben, Nägel, Stacheldraht und Ähnliches. Er kümmerte sich von nun an mehr um Porzellan und Geschenkartikel.
Anneliese Mayer, die inzwischen das Geschäft von Ihren Eltern auf dem Erbweg seit dem 08.01.1957 übernommen hatte, führte nur noch Hausrat, Glas und Porzellan. Die Eisenwaren wurden vollständig aus dem Sortiment genommen. 1957 wurde die Firma in das Handelsregister eingetragen.
 
Durch die Heirat mit dem Kaufmann Ernst Rister, dessen Porzellangeschäft „Teltow & Rister“ in Berlin sehr bekannt war, wurde die Firma Georg Mayer vollständig umgebaut. Es entstand das Fachgeschäft Anneliese Rister, Glas, Porzellan und Geschenkartikel.
Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde dem ehemaligen Lehrling Eberhard Hilliges viel Vertrauen entgegengebracht und ihm wurde große Verantwortung übertragen.
Der inzwischen mit Gisela Hilliges verheiratete Eberhard Hilliges unterschrieb zur Geburt seines Sohnes Martin am 25.09.1968, den Kaufvertrag für seine ehemalige Lehrfirma. Der Kaufpreis betrug 118.164,54 DM netto. Gebühren und Honorare nicht inbegriffen. 75.000,00 DM wurden in bar als Anzahlung sofort geleistet. 1970 kam Tochter Katharin zur Welt.
Die Restsumme wurde durch ein Existenzgründungsdarlehen von 50.000.00 DM und dem Verkauf eines zuteilungsreifen Bausparvertrages abgesichert. Auch das Auto musste verkauft und alle Ersparnisse eingesetzt werden. Monatliche Raten von 1.000,00 DM ermöglichten die Abzahlung der letzten Restzahlungen.
Ich war nun mein eigener Herr. Wir mussten sparsam und fleißig sein. Zwar waren wir erfolgreich, aber das Geld war immer knapp. Die Devise der ersten Jahre war: „… erst die Gehälter, dann die Miete und dann Steuern …“. Für die Familie blieb nicht viel übrig.
1976 stand das Geschäft auf einem soliden Fundament. 1990 kamen durch die politische Wende neue Veränderungen und Aufgaben auf uns zu. Die Geschäftsräume waren noch immer angemietet und sollten durch den erwarteten Aufschwung auf dem Mietmarkt plötzlich doppelt so teuer werden. Wirtschaftlich war das nicht vertretbar und nicht zu verkraften. Doch wiederum stand das Glück auf unserer Seite.
Ein Porzellangeschäft in Berlin Zehlendorf stand zum Verkauf. Wir kannten den Verkäufer schon länger und so waren wir uns schnell einig. Nach nicht einmal 4 Wochen war die Übernahme vollzogen. Allerdings noch immer zur Miete.
Zwar war der Mietzins entsprechend dem Standort respektabel (heute wäre er unaufbringbar), wir strebten dennoch mehr an. Besondere Umstände ergaben, dass das Haus 1996 verkauft werden sollte. Da wir schon immer Interesse signalisierten, war der Kaufpreis entsprechend hoch. Dennoch sind wir zur Existenzsicherung darauf eingegangen.
Die Tatsache, dass das Geschäft bereits über 20 Jahre an diesem Standort existiert, hat gezeigt, dass es damals der richtige Schritt war. Mittlerweile sind wir das letzte noch existierende inhabergeführte Porzellan-Fachgeschäft in Berlin!
Gertrud und Georg Mayer sowie Anneliese Rister haben die Voraussetzungen für meinen Erfolg geschaffen. Dafür danke ich ihnen.

Eberhard Hilliges
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